Vor knapp zwei Jahren hatte ich die Möglichkeit, an einem unternehmensinternen Programm teilzunehmen. Ziel war es, persönliche und berufliche Entwicklung miteinander zu verbinden – begleitet durch das Konzept einer sogenannten „Learning Journey“.

Ganz ehrlich: Mit diesem Begriff konnte ich damals wenig anfangen. Und da ich nicht die Einzige war, die etwas ratlos schaute, haben wir unseren Trainer direkt gefragt, was genau hinter diesem etwas hölzern klingenden Konzept steckt.

Meine Interpretation nach seiner Erklärung war recht simpel:
Du bekommst Raum und Tools an die Hand, um dir deine eigenen Lernziele zu setzen und selbst Wege zu finden, wie du diese erreichen kannst. Das fand ich von Beginn an sympathisch. Es blieb offen, wie groß oder klein das persönliche Ziel sein sollte – aber es gab Theorie, Methoden und eine Begleitung, die sehr individuell auf uns einging.

Auch heute, zwei Jahre später, gibt es zwei Methoden aus diesem Programm, die mich nachhaltig geprägt haben. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich vorher mit manchen Themen noch wenig beschäftigt hatte. Vielleicht aber auch daran, dass es einfach etwas Wertvolles ist, über einen längeren Zeitraum von jemandem begleitet zu werden, der einen Schritt für Schritt an neue Themen heranführt. In späteren Beiträgen möchte ich dir genau diese beiden Methoden noch einmal vorstellen – und erzählen, warum sie mir nicht nur in meiner Rolle als Führungskraft, sondern im gesamten Berufsalltag helfen.

Meine Ziele zu Beginn der Learning Journey

Für diesen Beitrag habe ich mir noch einmal angeschaut, mit welchen Zielen ich damals gestartet bin:

  • Mehr Selbstkenntnis
  • Erkennen von Arbeitsmustern, die mich zurückhalten
  • Austausch mit Kolleg:innen, die ähnliche Muster zeigen
  • Neue Skills lernen
  • Feedback geben lernen

Vielleicht erinnerst du dich noch an meinen letzten Blogpost: Ich habe dort „Konfliktfähigkeit“ als eine Kompetenz benannt, die ich unbedingt weiterentwickeln wollte. Ich hatte ein enormes Unwohlsein, Kolleg:innen – besonders Trainees oder Werkstudierenden – zu sagen, wenn ich mit etwas nicht einverstanden war. Egal, ob es der Tonfall in Stresssituationen war oder eine unsorgfältig erledigte Aufgabe. Ich hatte Angst vor Streit oder davor, jemanden unfair zu behandeln. Also habe ich die Situationen oft ausgesessen – innerlich brodelnd vor Wut.

Genau hier setzte ich an. Mir war klar:

Wer führen will, muss lernen, Feedback zu geben.

Was mir an dem Programm besonders half

Das Programm lief über neun Monate. Am Anfang steckten wir uns Ziele, dann folgte ausreichend Zeit, um diese auch tatsächlich im Alltag anzugehen. Es gab immer wieder Reflexionspunkte: mit der Gruppe, mit meinem persönlichen Lern-Buddy oder mit dem Trainer.

Um beim Beispiel Feedback zu bleiben: Ich zwang mich aktiv, mein Verhalten zu ändern. Zwei Situationen blieben mir besonders in Erinnerung:
➡️ Eine Kollegin war kurz vor ihrem Urlaub im Stress und blaffte mich für eine Nichtigkeit an.
➡️ Ein Praktikant lieferte wiederholt Aufgaben mit mehr Rechtschreibfehlern als korrekten Wörtern ab.

Beide Male biss ich die Zähne zusammen und sprach das Thema ruhig und sachlich an. Das Ergebnis? Weit weniger dramatisch, als es in meinem Kopf immer aussah. Keine Streitereien, keine verletzten Egos. Sondern sachlicher Austausch und Klarheit.

Mein Mann sagt dazu immer: „Perception is reality.“ – Wahrnehmung ist Realität.

Und meine Angst vor diesen Gesprächen war eine Realität, die ich mir selbst geschaffen hatte. Indem ich ruhig blieb, einen guten Moment abwartete und respektvoll kommunizierte, konnte ich meinen Standpunkt klar machen – und die innere Wut in Zukunft vermeiden.

Durch den regelmäßigen Austausch in der Gruppe, sogenannte „Peer-Group-Sparrings“, konnten wir unsere Fortschritte reflektieren, uns gegenseitig Feedback geben und neue Perspektiven gewinnen.


Was ich aus meiner Learning Journey mitgenommen habe:

🔹Der Weg ist das Ziel. Ob ich am Ende alle Ziele aus meiner Liste vollständig erreicht habe, spielt keine große Rolle mehr. Auf dem Weg habe ich so viel reflektiert, gelernt und mich weiterentwickelt. Wer sich auf den Weg macht, wird unterwegs ohnehin neue Ziele entdecken – und darf die Route jederzeit anpassen.

🔹Austausch mit Gleichgesinnten ist Gold wert. Einer der Gründe, warum ich heute diesen Blog schreibe. Ich habe mich in manchen Unsicherheiten oft allein gefühlt. Austausch mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen, hilft – emotional und fachlich.

🔹Nicht jeder tickt wie man selbst. Was für mich wie Kritik klang, empfanden andere als hilfreiches Feedback. Dieser Perspektivwechsel hat meine Haltung nachhaltig verändert – im Geben wie im Annehmen von Feedback.

🔹Lernen braucht Raum und Zeit. Im stressigen Alltag bleibt wenig Zeit zur Reflexion. Programme wie diese schaffen bewusst Raum dafür. Wer ihn nicht bekommt, sollte ihn sich selbst nehmen – regelmäßig und mit Priorität.


💡 Mein Learning Nugget für dich:

Reflexion, Austausch und kleine Schritte bringen dich langfristig weiter. Wenn es in deinem Umfeld kein strukturiertes Lernprogramm gibt, nimm deine persönliche Entwicklung selbst in die Hand: Setz dir Ziele, such dir Austauschpartner:innen und schaffe dir Raum für deine eigene Learning Journey.

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